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Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen

"Neues Volksblatt" - Interview mit
Amer ALBAYATI, Initiative Liberaler Muslime Österreich - ILMÖ

http://www.volksblatt.at/index.php?id=65577&MP=61-157

Muslime: „Präsident Schakfeh untragbar!“

Nach VOLKSBLATT-Bericht über Drohung gegen Religionslehrer: Liberale Muslime fordern Rücktritt des IGGiÖ-Chefs

Von Manfred Maurer

Es rumort in der islamischen Glaubensgemeinde in Österreich. Viele Muslime sind empört über die vom NEUEN VOLKSBLATT am Samstag veröffentlichten Äußerungen des Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), Anas Schakfeh. Dieser hatte islamische Religionslehrer nicht nur dazu aufgefordert, in der ersten Schulwoche nichts anderes zu tun, als Mitglieder für die IGGiÖ zu registrieren. Unter Androhung des Arbeitsplatzverlustes verlangte Schakfeh auch, dass die Familien der Lehrer der IGGiÖ beizutreten hätten: „Religionslehrer, wenn sie persönlich und ihre Familienangehörigen, Kinder usw. nicht registriert sind, werden sie ihren Posten verlieren. Das klingt hart, ist aber so!“

Muslime, die sich von der IGGiÖ ohnehin nicht vertreten fühlen, reicht es jetzt endgültig: „Präsident Schakfeh ist nicht mehr tragbar“, sagt Amer Albayati, Sprecher der Initiative Liberaler Muslime in Österreich (ILMÖ). Schakfeh müsse „seine diktatorischen menschenverachtenden Aussagen und Drohungen zurücknehmen, sich entschuldigen und sofort zurücktreten“, so Albayati zum VOLKSBLATT.

Zuständige Ministerin hat „keine Handhabe“

Islamische Religionslehrer aus ganz Österreich hätten sich bereits an die ILMÖ gewandt und sich wegen der Drohungen Schakfehs beschwert. Die Lehrer verlangten, so Albayati, den Schutz der zuständigen Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) „vor dieser Erpressung und der Diktatur der IGGiÖ“. Diese denkt allerdings nicht daran, sich einzumischen. „Das Ministerium hat keine Hadhabe, es handelt sich um eine innree Angelegenheit der islamischen Glaubensgemeinschaft“, sagt eine Sprecherin des Ministeriums, das die Mitgliederkeilaktion ausdrücklich für zulässig erklärt hatte, nachdem sie der Landesschulrat in Oberösterreich abblasen hatte wollen. Die IGGiÖ reagierte auf VOLKSBLATT-Anfragen nicht.

IGGiÖ verstößt gegen staatlichen Auftrag

Da Schakfeh auch angekündigt hat, die IGGiÖ werde nur noch zahlende Mitglieder vertreten und Nicht-Mitgliedern keinerlei Bestätigungen (für Familienangelegenheit, Bundesheer, Begräbnis) mehr ausstellen, orten die liberalen Muslime auch einen Verstoß gegen den staatlichen Auftrag der IGGiÖ, als Vertretung aller Muslime zu fungieren. Albayati: „Die logische Konsequenz ist die Auflösung der IGGiÖ, da sie keinerlei Legitimität und Kompetenz besitzt.“

Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe
vom Dienstag den 5. Oktober 2010

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vom Dienstag den 5. Oktober 2010

http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3858&Alias=wzo&cob=294119

 

Journalist übt Kritik an Islamischer Glaubensgemeinschaft – "Spendengelder für Waffenkäufe aus Österreich"

Hamas ist in Österreich salonfähig

Von Stefan Beig

 

 "Die Hamas hat in Österreich Unterstützer auch von offizieller Seite."
    "Man soll diese Leute nicht verhaften, aber kontrollieren."

 

Wien. Große Geldsummen aus Österreich sollen an Terrorgruppen im Nahen Osten fließen. Diesen schwerwiegenden Vorwurf erhebt zumindest der Journalist und langjährige Korrespondent der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa, Ahmed Hamed, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Hamas hätte laut Hamed in Österreich etliche Unterstützer, sogar an offizieller Stelle. "Die Führer der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich sind im Hintergrund die großen Helfer der Hamas. Ich kenne kein Mitglied ihrer Führung, das nicht die Hamas unterstützt."

Große Geldsummen

Vor allem unter in Österreich lebenden Ägyptern und Tunesiern soll die Hamas viele Anhänger haben. Laut Hamed gelang es Hamas-Anhängern in den letzten zehn Jahren, sehr stark vernetzte Strukturen in Wien aufzubauen. "Ich habe persönlich gesehen, wie in Kulturvereinen und Moscheen viel Geld gesammelt wird, das angeblich humanitären Zwecken dient. Nach meinem Wissen ist es aber auch für Waffenkäufe bestimmt, um die Hamas militärisch zu unterstützen." Ahmed Hamed spricht von teilweise "gigantische Spendensummen", die in e-mails und auf Homepages veröffentlicht wurden. "Da bekomme ich wirklich Angst. Was jetzt im Gazastreifen passiert ist, geschah aufgrund der Hilfe von außerhalb, auch von Österreich."

Die Koalition zwischen Hamas und Fatah fand Mitte Juni ein gewaltsames Ende. In den anschließenden Kämpfen erlangte die Hamas die Kontrolle über den Gazastreifen. Seit dem 17. Juni sind die palästinensischen Autonomiegebiete de facto zweigeteilt.

"Die Hamas-Aktionen im Gazastreifen waren schon lange geplant", betont Hamed. "Nachdem die Hamas bei den Parlamentswahlen in der Palästinensischen Autonomiebehörde 2006 die Mehrheit bekommen hat, sieht sie keinen Grund mehr, die Rivalen zu akzeptieren. Mitte Juni tauchten schwere Waffen auf, mit denen die Hamas militärisch die Macht ergriff. Sie hatte ihre Mehrheit benützt, um Zeit für ihre militärische Verstärkung zu gewinnen. "Das wäre so, wie wenn eine österreichische Partei mit absoluter Mehrheit ihre Anhänger mit Waffen ausstattet, um den Gegner zu bekämpfen", sagt Hamed.

Muslimbrüder als Helfer

Materielle, logistische und auch mediale Unterstützung bekommt die Hamas laut Hamed besonders von reichen Privatpersonen in den Golfstaaten. Die Muslimbrüder – "ein starkes, international verzweigtes Gebilde" – sind für Hamed die großen Helfer der Hamas. Dass einige Muslimbrüder die Hamas-Aktion im Gaza-Streifen öffentlich kritisierten, beeindruckt Hamed nicht. "Insgeheim sind sie dafür. Sie sehen darin einen Sieg der Hamas über die Ungläubigen. Nach meinen Informationen sind die führenden Personen der Muslimbrüder in Österreich mit Händen, Füßen und Zähnen für die Hamas."

Die Hamas beruft sich ausdrücklich auf die Ideologie der Muslimbrüder. In Ägypten und Syrien sind die Muslimbrüder verboten, in Europa können sie sich weitgehend frei bewegen. "Funktionäre der Muslimbrüder kommen problemlos nach Österreich, um ihre Propaganda hier zu verbreiten", berichtet Hamed.

Einige Beobachter stufen die Muslimbrüder heute als gemäßigt fundamentalistisch ein. Hamed hält hingegen ihr nach außen hin moderates Auftreten für Strategie. Aus seiner Sicht wollen die Muslimbrüder zuerst auf politisch-demokratischem Weg an die Macht kommen, um danach – wie im Gazastreifen – gewaltsam ihre islamistischen Vorstellungen durchzusetzen. "Anfang der siebziger Jahre war die Muslimbruderschaft in Palästina eine humanitäre, religiöse Aktion. Israel unterstützte und legalisierte sie, um einen Gegenblock zur PLO zu installieren. Die Hamas zog durch ihre vernetzte humanitäre Arbeit viele Menschen auf ihre Seite."

Das anfänglich harmlose Erscheinungsbild änderte sich bei Ausbruch der ersten Intifada im Jahr 1987. Damals beteiligten sich Muslimbrüder erstmals aktiv am Kampf und gründeten die Hamas als politische Partei. Zunächst bestrafte die Hamas "Kollaborateure", griff später das israelische Militär an und führte schließlich gezielt Terroranschläge gegen israelische Zivilisten aus.

"Die Hamas will einen islamischen Gottesstaat verwirklichen", erläutert Ahmed Hamed ihre Ideologie. "Damit will sie den arabischen Staaten, die wegen ihrer totalitären, vom Westen gestützten Herrscher in einem sehr schlechten Zustand sind, ein Modell geben."
Ignorante Behörden

Über das Engagement von Hamas-Anhängern in Österreich seien die Sicherheitsorgane informiert. Die Untätigkeit der Politik könnte nach Hamed auf Unkenntnis beruhen. "Ich habe versucht, mit österreichischen Politikern zu sprechen. Vor ein paar Jahren haben sie noch zugehört, jetzt hören sie uns – den gemäßigten Muslimen – nicht mehr zu. Obwohl die Hamas auf der EU-Terrorliste steht, sind Hamas-Mitglieder in Österreich salonfähig und sogar bei moslemischen Festen mit Bundespräsident Heinz Fischer und im Wiener Rathaus dabei." Ranghohe Politiker wüssten nicht, welche Gefahr in politisch-religiösen Ideologien steckt. "Dass man die Gebetshäuser als politische Arena ausnützt, macht mir Angst. Hamas verwendet die Religion als Deckmantel für ihre politischen Ziele. Man muss handeln und das Ganze zum Wohle aller unter Kontrolle bringen." Hamed fordert ein Offenlegen der islamistischen Strukturen und staatliche Kontrolle über den Fluss der Spendengelder.

"Man soll diese Leute nicht verhaften, aber es muss Gesetze und Wege geben, die das alles kontrollieren. Es gibt auch in den arabischen Gebieten österreichische Vertretungen, die den Geldfluss überwachen könnten."

Ahmed Hamed, seine Kinder und Enkelkinder, fühlen sich bedroht. "Wenn in Österreich eines Tages etwas passiert, möchte ich zumindest zum Wohl des Landes meine Pflicht getan haben. Ansonsten werden wir Muslime kollektiv verantwortlich sein." An eine glorreiche Zukunft der islamistischen Ideologie im Nahen Osten glaubt Ahmed Hamed nicht. "Der islamische Gottesstaat ist eine Utopie, denn jeder Mensch will in Freiheit leben. Eine bunt gemischte Gesellschaft ist gut, sie bringt mehr Fortschritt. Ereignisse vor 1300 Jahren sind kein Maßstab für die heutige Zeit."

Arabische Politiker erkannten bereits in den letzten Jahrzehnten, dass der Islamismus falsche Illusionen weckt. "Viele PLO-Führer kamen ursprünglich von der Muslimbruderschaft, wurden aber von der Realität umgeformt. Sie merkten, dass die muslimische Vision unrealistisch ist und wurden Pragmatiker. Heute hat Fatah keinen Kontakt mehr zur Muslimbruderschaft. Arafat und andere PLO-Gründer sind für die Muslimbrüder Abgefallene."

Taliban in Gaza

Mehrheitlich seien die Palästinenser säkular und fortschrittlich eingestellt. "Es wird der Hamas dauerhaft nur schwer gelingen, die Palästinenser zu überzeugen, es sei denn durch Gewalt. Dann haben wir die Taliban im Gaza-Streifen." Der Grund für den Wahlerfolg sei die schwierige politische Situation gewesen. "Die Menschen sind verzweifelt. Die israelischen Siedlungen wurden immer mehr. Für Israel waren plötzlich Arafat und die Palästinensische Autonomiebehörde keine Partner mehr. Fatah machte teilweise keine saubere Politik, was Israel und die Hamas übertrieben hochgeschaukelt haben."

Der künftige Weg der Hamas ist für Ahmed Hamed ungewiss. "Die Hamas ist jetzt in der Zwickmühle, weil sie ihre Identität noch nicht klar vorgezeigt hat. Hamas gehört zum internationalen Islamismus, andererseits versucht sie über die palästinensische Tragödie Sympathie zu ernten.

 

Aufzählung Wissen: Die Muslimbrüder

Der ägyptische Lehrer Hassan Al Banna gründete 1928 die Muslimbrüder als Reaktion auf die Abschaffung des Kalifats und auf den ägyptischen Säkularismus. Die Muslimbrüder wollen das "wahre Wesen" des Islam wieder zum Leben erwecken. Ihr Motto war "Der Koran ist unsere Verfassung". Wegen Al Bannas Organisationstalent wurden sie zu einer Massenbewegung, die Ende der 40er-Jahre allein in Ägypten 500.000 aktive Mitglieder hatte.
Die Muslimbrüder bauten Schulen, Moscheen und Vereinshäuser. Sie wurden zu einem Staat im Staat, der seinen Sympathisanten Sozialleistungen lieferte, die der ägyptische Staat nicht bieten konnte. Mit zunehmender Größe übten sie Druck auf Politiker aus. Als 1948 ein Muslimbruder den ägyptischen Premierminister Nuqrashi Pasha erschoss, wurde Al Banna vom ägyptischen Geheimdienst getötet und die Organisation verboten. Es existierten bereits Zweige der Muslimbrüder in Jordanien, im Irak, im Libanon und in Syrien. Heute ist die Hamas der öffentlich bekannteste Zweig.

Die Bildung der kommenden Generationen steht im Mittelpunkt der Strategie der Bewegung. Mittels des Erziehungs- und Bildungssystems soll die vollständige Islamisierung von unten erreicht werden. Bereits 1942 gründeten die Muslimbrüder auch einen geheimen militärischen Arm.

Die arabischen Regierungen haben die Muslimbrüder zeitweise geduldet. In Ägypten wurden viele Muslimbrüder verfolgt und gefoltert. Im Gegensatz zu Terrorgruppen setzten die Muslimbrüder eher auf Überzeugungsarbeit, um neue Anhänger zu gewinnen. Es gibt neben dem traditionellen Flügel der Muslimbruderschaft auch einen Reformflügel, der in Ägypten seine Ziele über eine legale Beteiligung an Wahlen erreichen will. Das Motto lautet: Islam ist Religion und Gesellschaft.

Der ägyptische Muslimbruder Sayd Qutb wurde zum wichtigsten Vordenker des militanten Islamismus. Qutb nannte vier Stufen des voranschreitenden Dschihad in der Entstehungsgeschichte des Islam als Vorbild für heutige Muslime: Zuerst rief Mohammed in Mekka geduldig zur Umkehr zu Allah auf. Dann emigrierte er nach Medina, wo er die Erlaubnis erhielt, zu kämpfen. Auf der dritten Stufe erhielt er den Befehl, gegen die zu kämpfen, die ihn bekämpften. Auf der letzten Stufe kämpfte er schließlich gegen alle Polytheisten, bis Allahs Religion vollständig etabliert ist.

Printausgabe vom Freitag, 20. Juli 2007

"Neues Volksblatt" - Interview mit
Bouziane GHESSAS, Initiative Liberaler Muslime Österreich - ILMÖ

http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:rch2pqmBTPgJ:www.volksblatt.at/index.php%3Fid%3D64519%26L%3Dde%26MP%3D61-157+Muslime+brauchen+keine+Minarette+volksblatt&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=at

"Muslime brauchen keine Minarette"

Bouziane Ghessas, Initiative Liberaler Muslime Österreich (ILMÖ) fordert größeren Integrationsbeitrag seiner Glaubensgemeinde

Muslime, Moscheen und Minarette — wieder einmal sorgt das Thema Islam und Integration in Österreich für hitzige Debatten. Die Initiative Liberaler Muslime in Österreich (ILMÖ), lässt im VOLKSBLATT-Interview mit einigen Aussagen aufhorchen, die so manchem Glaubensbruder hier zu Lande möglicherweise nicht gefallen werden:

NEUES VOLKSBLATT: Was hat man sich unter der Initiative Liberaler Muslime vorzustellen? Was ist ein liberaler Moslem?

BOUZIANE GHESSAS: Die liberalen Muslime unterscheiden sich von den konservativen und radikalen Muslimen. Sie glauben nicht nur an ihre Religion, sondern respektieren auch die anderen Religionen und Andersdenkenden. Sie sind offen für den Fortschritt, für neue Entwicklungen, und pflegen den Austausch mit verschiedenen Kulturen. Sie vertreten die Freiheit des Denkens und die Vielfalt und unterstützen die Verständigung zwischen den Völkern und das friedliche Zusammenleben. Die liberalen Muslime bekennen sich zu den Grundsätzen der österreichischen Verfassung und der Grundwerte der europäischen Moral, Ethik, Demokratie und Menschenrechte auch für Frauen. Sie lehnen jede Art von Extremismus, Fanatismus, Gewalt und Terror ab.

Erst diskutieren, was wir beitragen müssen!

NEUES VOLKSBLATT: Wie geht es Ihnen als integriertem Moslem, wenn im Zusammenhang mit dem Islam in Österreich, ständig über Integrationsprobleme, Moscheen und Minarette gestritten wird?

Wir bedauern, dass der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), Anas Schakfeh, gefordert hat, dass in jedem österreichischen Bundesland eine erkennbare Moschee mit Minarett gebaut werden soll. Wir sind davon überzeugt, dass über den Bau von Moscheen und Minaretten jetzt zum falschen Zeitpunkt debattiert wird. Wir kritisieren, dass sich Schakfeh so kurz vor den Wahlen in die Politik eingemischt hat, was für die Muslime kontraproduktiv ist. Bevor wir über Moscheen und Minarette sprechen, müssen wir zuerst diskutieren, wie wir Muslime uns in unserer neuen Heimat Österreich voll integrieren können, und welche Leistungen wir beitragen müssen, um Österreich politisch, wirtschaftlich und sozial voranzubringen.

Brauchen die Muslime unbedingt Minarette zur Ausübung ihres Glaubens?

Nein, die ersten Moscheen hatten keine Minarette.

In den Moscheen deutsch predigen!

NEUES VOLKSBLATT: Was müsste geschehen, um die Integration von Muslimen in Österreich voranzutreiben?

Alle Muslime müssen die deutsche Sprache beherrschen und in den Moscheen und Gebetshäusern müssen die Predigten deutsch sein. Das ist die erste Grundvoraussetzung für die Integration. Viele Muslime sind mit ihren Ursprungsländern viel mehr verbunden als mit Österreich. Auch die österreichische Staatsbürgerschaft ändert daran oft nichts. Die meisten Muslime sitzen vor dem Satellitenfernsehsender, um in ihrer eigenen Muttersprache die Fernsehsendungen zu verfolgen. Es fehlt Ihnen sehr oft der soziale und kulturelle Austausch mit den Menschen in Österreich. Zahlreiche Muslime finden auf Grund ihrer Sprachprobleme keinen Anschluss an die Gesellschaft. Die Folge sind mangelnde Bildung, Arbeitsplatzprobleme und soziale Konflikte. Das fördert Isolation und nicht Integration.

Sanktionen gegen Deutsch-Verweigerer

NEUES VOLKSBLATT: Halten Sie auch Druckausübung gegenüber nicht integrationswilligen Muslimen für gerechtfertigt?

Ja, die deutsche Sprache und der Dialog mit den anderen Religionen und Andersdenkenden müssen obligatorisch ab dem Kindesalter sein. Wird das nicht eingehalten, müssen Sanktionen gesetzt werden.

Liberale Muslime die schweigende Mehrheit

NEUES VOLKSBLATT: Trifft nicht auch die Islamische Glaubensgemeinschaft eine Verantwortung für die Konflikte?

Die IGGiÖ hat es in der Vergangenheit nicht geschafft ein gutes Klima für die Integration der Muslime zu schaffen. Sie ist in ihrer Struktur wie ein Clan aufgebaut und vertritt nur eine minimale Minderheit von rund ein Prozent der etwa 600.000 Muslime in Österreich. Die IGGiÖ hat es nicht geschafft, die Integration der Muslime zu fördern, zu verbessern. Im Gegenteil, sie hat die Probleme der Muslime selbst verschlechtert. Auf Grund dieser Missstände ist die Kluft zwischen den Muslimen und der österreichischen Gesellschaft größer geworden. Der IGGiÖ wird von den Politikern und Medien eine Bedeutung zugestanden, die sie überhaupt nicht hat. In den letzten zwanzig Jahren haben wir die Politiker und Journalisten vor den Missständen in der IGGiÖ eindringlich gewarnt. Aber niemand hat auf uns gehört. Die liberalen Muslime sind die Mehrheit der schweigenden Muslime in Österreich.

Wahlen werden eine Farce

NEUES VOLKSBLATT: Die österreichischen Muslime werden demnächst ihre Vertretung in der IGGiÖ neu wählen. Erwarten Sie positive Veränderungen?

Nein, es werden undemokratische Wahlen ohne unabhängige Beobachter abgehalten. Nur wenige tausend Muslime werden wählen. Es steht bereits jetzt fest, dass die Wahlen ungültig sein werden. Das ist auch dem Kultusamt und der zuständigen Unterrichtsministerin bekannt. Viele muslimische Wähler wurden erst kurz vor den Wahlen in die Registerblätter eingetragen, obwohl die Wartefrist laut IGGiÖ-Verfassung für die Wahl aller Funktionäre zumindest zwei Jahre beträgt. Daher werden die Wahlen zur Farce. Wir sehen nur dann eine positive Veränderung, wenn die IGGiÖ keine muslimische Strömung in Österreich mehr ausgrenzt.

Diesen Artikel finden Sie in der Ausgabe
vom Dienstag den 7. September 2010

"Wiener Zeitung" - Interview mit
Bouziane GHESSAS, Initiative Liberaler Muslime Österreich - ILMÖ

www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3858&Alias=wzo&cob=396261&currentpage=0

"Fordern Rücktritt von Schakfeh"

Von Stefan Beig

    Isamlehrern fehlt die nötige Bildung.
    Akademischer und pädagogischer Abschluss nötig.
    Aufenthalt von Imamen in Österreich soll wieder fremdenpolizeilich genehmigt werden.

 

"Wiener Zeitung": Warum üben Sie ausgerechnet jetzt öffentlich Kritik an der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ)?

Die veralteten Methoden der IGGiÖ sind nicht konform mit den wichtigen Visionen des Islam, die Führung hat eine diktatorische Mentalität. Der Islam verlangt Demokratie, Meinungsfreiheit, Respekt der Menschenrechte, Kulturen und Religionen. Er will ein friedliches Zusammenleben. Missstände wie in Österreich haben wir auch in islamischen Ländern, wo diese Visionen ebenfalls unterdrückt werden.

Ghessas: Mehrheit der Muslime
ist liberal. Foto: Gebhard Fidler

 

Wie erklären Sie sich, dass laut einer Studie ein Fünftel der Islamlehrer die Demokratie ablehnt?

Einige Lehrer sind nicht mit Demokratie aufgewachsen. Den Lehrern fehlt die nötige Bildung, sie haben diese Mentalität von ihren Heimatländern mitgenommen. Die Ergebnisse der Studie sind nicht tolerierbar. Es darf keine unqualifizierten Lehrer geben. Auch viele islamischen Vereine sind undemokratisch.

Politiker suchen Ansprechpartner. Anas Schakfeh von der IGGiÖ gilt als der Repräsentant der Muslime in Österreich. An wen sonst soll sich die Politik wenden?

Die Politiker müssen mit der Mehrheit der Muslime Kontakt aufnehmen. Die Mehrheit ist liberal wie wir.

Die Mehrheit ist anscheinend nicht organisiert.

Jetzt ist die Zeit gekommen unsere Visionen zu definieren. Schon vor Jahren nahmen wir Kontakt mit den Politikern auf, aber sie verstanden uns nicht. Die Medien verstehen uns mittlerweile besser, aber die Politiker großteils noch immer nicht. Dafür werden sie bei der nächsten Wahl einen Denkzettel bekommen.

Mit welchen Muslimen stehen Sie in Verbindung?

Wir haben Kontakte mit vielen Muslimen. Es gibt unter den Muslimen Akademiker, die den Islam sehr gut verstehen. Etliche hoch qualifizierte Muslime mit akademischer Ausbildung wurden in der Vergangenheit von der IGGiÖ-Führung abgelehnt. Das ist ein großer Schaden für den Islam und für Österreich. Die Lehrer werden nicht wegen ihrer Qualifikation angestellt, sondern wegen ihrer Loyalität zu IGGiÖ-Präsident Schakfeh. Es herrscht Freunderlwirtschaft.

Sie kennen Schakfeh: Sie haben fünf Jahre lang, von 1993 bis 1997, gemeinsam mit ihm in derKulturabteilung der saudiarabischen Botschaft gearbeitet.

Unser Verhältnis war unterkühlt. Ich will den Präsidenten der IGGiÖ nicht persönlich kritisieren, aber meiner Meinung nach erfüllt er die Voraussetzungen für seine Funktion nicht. Ich möchte aber betonen, dass nicht persönliche Animositäten Anlass meines Handelns sind.

Was sind Ihre Forderungen?

Transparenz in der IGGiÖ, damit die Österreicher endlich wissen, was passiert! Das betrifft auch den Umgang mit Finanzen, etwa mit dem Geld der Steuerzahler und den Zuwendungen aus dem arabischen Raum. Wir sind in Österreich. Wir wollen nicht, dass unsere Kinder in einer undurchsichtigen Parallelgesellschaft aufwachsen, sonst wird es in der nächsten Generation Probleme geben. Weiters müssen alle Islamlehrer einen akademischen und einen pädagogischen Abschluss vorweisen und fließend Deutsch sprechen. Es sollte einen eigenen Unterricht für Sunniten und einen anderen für Schiiten geben.

Wir fordern den Rücktritt von Schakfeh als Präsident und als oberster Fachschulinspektor, sowie die Suspendierung aller Fachschulinspektoren, die von ihm eingesetzt wurden. Auch dass die IGGiÖ eine quotenfreie Aufenthaltsgenehmigung für Imame in Österreich beantragen kann, muss aufhören. Jeder Aufenthalt eines Imams in Österreich muss wie früher von der Fremdenpolizei genehmigt werden. Auch die Strukturen der IGGiÖ sollten geändert werden.

Wie soll die IGGiÖ denn aussehen?

Die jetzige Form der IGGiÖ ist eine österreichische Erfindung, mit einem Obersten Rat und einem Schurarat, einer Verschachtelung, die es nicht einmal in islamischen Ländern gibt. Die neue Strukturierung sollte einen Präsidenten, einen Generalsekretär und einen Kassier vorsehen, sowie Vorstandsmitglieder als beratendes Gremium (=Schurarat).

Der Präsident der IGGiÖ sollte von allen Muslimen gewählt werden und sich ausschließlich dieser Funktion widmen. Der jetzige Präsident ist zum Beispiel gleichzeitig Islamdozent, oberster Fachinspektor, Dolmetscher und in der saudiarabischen Botschaft angestellt. Die jetzige Situation ist chaotisch, diktatorisch, undemokratisch und entspricht nicht den Prinzipien des Islam. Wir verlangen von den Verantwortlichen in der Politik, dass sie ihre Verantwortung für die jetzige Situation übernehmen.

Sie sind auch Experte für Internationale Politik. Wie beurteilen Sie die Beziehungen Europas zur islamischen Welt?

Das Ende des Kommunismus brachte große Vorteile für Osteuropa, nicht aber für die islamischen Länder, wo seither Demokratie und friedliche Entwicklungen keine Chance haben. Fast alle islamischen Regime bemühen sich seither, ihre Macht noch weiter zu festigen. Die qualifizierte Jugend flüchtet nach Europa. Für den Kampf gegen den Extremismus bekamen totalitäre Regime viel Geld vom Westen. Dabei haben sie diesen Extremismus teils selbst erfunden. Starken Oppositionsgruppen sollte der Staat die Möglichkeit geben, sich friedlich und gewaltfrei zu artikulieren.


Zur Person

Bouzian Ghessas wurde 1963 in Algerien geboren. Nach dem Studium der    Rechtswissenschaften in Algerien und Belgien machte er in Wien das Doktorat in Völkerrecht und Internationalen Beziehungen. Fünf Jahre lang arbeitete er im Kulturinstitut der saudi-arabischen Botschaft.

Er veröffentlichte Artikel in etlichen arabischen Zeitungen (Golfstaaten) und hielt Seminare und Lehrveranstaltungen über Völkerrecht an mehreren Universitäten, unter anderem in Tunis, Marrakesch und Algerien. In den letzten Jahren war Ghessas auch als Dolmetscher und Rechtsberater der Caritas tätig. Er ist Mitglied der Initiative liberaler Muslime Österreich (Ilmö), in der islamische Akademiker organisiert sind.


Printausgabe vom Mittwoch, 11. Februar 2009