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"Initiative Liberaler Muslime Österreich – ILMÖ"
Wien, 31.3.2009

Offener Brief an alle verantwortlichen Stellen in Österreich

Appell an die politischen Parteien in Österreich den suspendierten Islamlehrer Aly El Ghoubashy zu unterstützen

Suspendierung von Aly El Ghoubashy muss aufgehoben werden

Alle Parteien werden aufgefordert die Demokratisierung und Reform der Islamischen

Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) zu fördern und die liberalen Muslime zu stützen

 

Die Suspendierung des Islamlehrers Aly El Ghoubashy ist ein Skandal, der die undemokratische Denk- und Handlungsweise der jetzigen islamischen Vertretung offen legt. Mit Verwunderung haben wir dabei festgestellt, dass ausgerechnet der Wiener Landtagsabgeordnete Omar al Rawi (SPÖ), der auch Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) ist, kein Wort über den Vorfall findet und Aly El Ghoubashy nicht verteidigt. Gerade Al Rawi hat in der Vergangenheit keine Gelegenheit ausgelassen, zu zahlreichen Ereignissen, die mit dem Islam und den Muslimen in mehr oder weniger direktem Zusammenhang stehen, Stellungnahmen abzugeben. Stets war er doch darum bemüht, sich als „Kandidat der Muslime“ zu gebärden, der die Interessen der Muslime schützt. Auch seine Wertschätzung für Demokratie und Rechtstaatlichkeit hat Al Rawi mehrfach unterstrichen. Warum, sehr geehrter Herr Landtagsabgeordneter, finden Sie kein Wort zu Aly El Ghoubashy und verteidigen nicht seine legitimen Rechte? Muss ein Muslim nicht gegen solch undemokratisches Verhalten geschützt und verteidigt werden?

Kritikfähigkeit und die Achtung von Meinungsfreiheit sind unabdingbare Voraussetzung für das Funktionieren jeder Demokratie, gerade bei der Bildung der nächsten Generation österreichischer Muslime muss auf die Vermittlung dieser Tugenden eines demokratischen Rechtsstaats geachtet werden. Für den Präsidenten Anas Schakfeh der IGGiÖ sind diese Begriffe anscheinend Fremdwörter, seine öffentlichen Wortmeldungen über Pluralismus, Menschenrechte und Demokratie sind demnach als das zu werten, was sie sind: Seifenblasen, die seine wahre Gesinnung, die eher der eines Diktators im Nahen Osten gleicht, verbergen.

Zum konkreten Vorfall: Es kommt in allen Einrichtungen und somit auch in Religionsgemeinschaften vor, dass Personen wegen fehlender Qualifikation entlassen werden. Dass ein großer Teil des jetzigen Lehrerpersonals der IGGiÖ unqualifiziert ist, hat nicht zuletzt die wissenschaftliche Studie des Soziologen und Islamwissenschaftlers Dr. Mouhanad Khorchide bewiesen, war aber unter allen engagierten Muslimen Österreichs bereits vorher kein Geheimnis. Auch die ILMÖ hat diese Ansicht seit vielen Jahren vertreten. Es ist im Interesse Österreichs und des Islam, ungeeignete Personen, welche die nächste Generation österreichischer Muslime unterrichten, zu entlassen.

Nicht ein einziger empörende Missstand trifft hingegen auf den Vorarlberger Islamlehrer Aly El Ghoubashy zu: El Ghoubashy verfügt über ausgezeichnete Deutschkenntnisse, besitzt eine akademische Qualifikation und stellt seine Lehrunterlagen auf einer eigenen Homepage auch der Öffentlichkeit zur Verfügung (http://teacher.schule.at/islam). Die ILMÖ, wie auch alle weiteren Personen, die den mehrfachen Familienvater El Ghoubashy persönlich kennen, wissen von seinen pädagogischen und menschlichen Qualitäten. Die aktive Teilnahme an der österreichischen Gesellschaft und die Wertschätzung für Demokratie und Meinungsfreiheit stehen bei ihm eindeutig im Vordergrund, seine Fähigkeiten als Lehrer fanden unter Schülern wie Kollegen Anklang. Aus islamischer Sicht gibt es an seinem Unterricht nichts auszusetzen: Immer galt der Vermittlung der Lehren des Islam El Ghoubashys Hauptaugenmerk. Niemals hat er Ansichten vertreten, die den Glaubensüberzeugungen der Muslime widersprechen. Dass Demokratie und Islam kein Widerspruch sind, konnte gerade Aly El Ghoubashy nachweisen.

Im Gegensatz zu Aly El Ghoubashy beherrscht die Mehrzahl der restlichen Islamlehrer in Österreich nicht Deutsch und weist keinen pädagogischen oder akademischen Abschluss vor. Die Schaffung der Islamischen Religionspädagogischen Akademie (IRPA) vor mehr als zehn Jahren als IGGiÖ-Institution (heute: Der Private Studienlehrgang für das Lehramt für Islamische Religion an Pflichtschulen) hat daran nichts geändert, obwohl er den österreichischen Steuerzahler mehrere Millionen Euro gekostet hat. Im Gegenteil: Noch nie wurden so viele unqualifizierte Islamlehrer angestellt, niemals zuvor wurde die Qualifikation so rücksichtslos missachtet. Sogar bei der Einstellung der Fachinspektoren waren Qualifikation und Ausbildung keine Kriterien. Solche Zustände sind absolut unzumutbar.

Doch laut dem IGGiÖ-Präsidenten hat nun El Ghoubashy „jede Grenze des Zumutbaren und Tolerierbaren überschritten“, weil er es wagte, diese Missstände öffentlich zu kritisieren, und zwar nachdem sich jahrelang intern nichts an der misslichen Lage des Islamunterrichts geändert hatte. El Ghoubashys Veröffentlichungen sind weder „unqualifiziert“, noch Ausdruck einer „irrationalen gefühlsbeladenen Gemütslage“. Vielmehr zeigen sie seine ehrliche Einschätzung der jetzigen Situation, verbunden mit sehr rationalen Änderungsvorschlägen, auch als Schurarat-Führungsmitglied und Insider in der IGGiÖ.

Anstatt auf Aly El Ghoubashys Vorwürfe einzugehen, bemüht sich der IGGiÖ-Präsident aber erst gar nicht, sie zu entkräften (wie kann er auch?), sondern entlässt den Vorarlberger Gymnasiallehrer. Damit beweist Schakfeh, dass Kritik in seinen eigenen Reihen unerwünscht ist, die Verbesserung des Islamunterrichts nicht zu seinen Anliegen gehört und blinder Gehorsam von Seiten der Angestellten gefordert wird. Die Sorge all jener unzufriedenen Islamlehrer, die es nicht wagten, öffentlich, aber auch innerhalb der IGGiÖ ihre Kritik vorzubringen, war und ist berechtigt. Bei Kritik müssen sie nämlich um ihre Anstellung und ihr Gehalt bangen. Eine Änderung der Situation ist unter der jetzigen Führung und „Vetternwirtschaft“ nicht zu erwarten.

IGGiÖ-Präsident Anas Schakfeh muss endlich einsehen, dass wir in einem Rechtsstaat leben. In Österreich als europäischem Staat gelten Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte. Schakfehs Verhalten ist eine Zumutung für die islamische Bevölkerung Österreichs.
Wir fordern alle österreichischen Parteien dazu auf alles zu tun, damit es zu einer Demokratisierung und Reform der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und zu einer Änderung des nicht mehr zeitgemäßen Islamgesetzes kommt und Aly El Ghoubashy seine Arbeit als Islamlehrer wieder bekommt, weil seine Suspendierung durch die IGGiÖ ungerecht ist.
Weiterhin fordern wir, dass auch die liberalen Muslime in Österreich unterstützt werden, da wir die Stimme der Mehrheit der Muslime vertreten.